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Das
grosse Interview mit dem Leader der Patrouille Suisse 2005
Capt Daniel Siegenthaler "Sigi"
ist seit Anfang 2005 der neue Leader der Patrouille Suisse. Nach
der ersten Saison des neuen Leaders sassen Sigi und Andy (Swiss-Sky.ch
/ PS Fan Club) zusammen für das "grosse Interview mit
dem neuen Leader".
Andy
- Was bedeutet für Dich die Fliegerei? (Erfüllter Traum,
Freiheit)
Sigi
- Fliegen ist für mich eine Passion. Es ist etwas das Spass
macht, erfüllend und auch fordernd ist. Insofern ist es für
mich eigentlich ein Traum, bei dem ich mein Hobby zum Beruf machen
konnte. Ich kann jeden Tag in die Luft, sei es als PS Pilot, mit
einer F/A - 18 oder als Fluglehrer um jungen Piloten etwas weitergeben
zu können das mir selber auch Spass macht. Die Fliegerei war
aber für mich eigentlich nie „dä Buebetraum“,
das gabs für mich nicht. Ursprünglich wollte ich Medizin
studieren, bin aber dann nach und nach in meine heutige Rolle reingewachsen
und je näher das Ziel Fliegerei gekommen ist und umso realistischer
es wurde, mit FVS und den Selektionen, desto grösser wurde
auch mein Ehrgeiz und damit ist auch die Passion in mir gewachsen.
Andy - Wie alt warst Du,
als Du das erste mal mit der Aviatik zu tun hattest und was war
es genau?
Sigi - Das war etwa als ich im zweiten
Gymnasium war, kurz bevor ich mich für die FVS entscheiden
musste – mit etwa 17 Jahren. Ein Kollege sagte damals, dass
er die FVS besuchen würde. Ich war da eigentlich schon ein
Jahr zu alt, trotzdem reichte es gerade noch und so habe ich mich
auch angemeldet und wir entschlossen uns, einfach mal fliegen zu
lernen. Das war eigentlich mein erste Kontakt mit der Fliegerei.
Vorher wusste ich gar nicht was die FVS ist, da es für mich
in dem Sinne gar nicht existent war – das Fliegen.
Andy - Woher hast Du die Energie
genommen, um die anspruchsvolle Ausbildung zum Militärpiloten
durchzuziehen und soweit zu kommen (PS Leader!)
Sigi - Einerseits war es der Wille,
ein Ziel zu erreichen. Als ich die ersten Selektionen bestanden
hatte gab mir das alleine schon Energie und ich sagte mir, dass
ich das schaffe. Andererseits ist da die Befriedigung die Energie
gibt. Zu wissen, immer wieder ein Schritt weiter gekommen zu sein
und etwas „gut gemacht“ zu haben. Da war zuerst der
PC-7, dann etwas ganz neues und schnelles – der Hawk, der
Tiger und die F/A - 18. Die Patrouille Suisse war wie ein Traum,
einmal dazu zu gehören. Und plötzlich, als ich gewählt
wurde, ist dieser Traum Realität geworden. Auch dieser Schritt
gab mir Energie und beflügelte mich, auch in dieser Aufgabe
Höchstleistungen zu bringen. Auch das positive Feedback gibt
Energie, wenn die PS einen Auftritt hat. Da nimmt man auch mal etwas
in Kauf, wenn der Aufwand gross ist und es strenger als normal abläuft.
Die schönen Momente die man dann erlebt kompensieren auch ein
wenig die vielen Momente, die man dadurch nicht zu Hause ist. Ein
weiterer Energiespender ist auch die Freizeit, obwohl ich nicht
all zu viel davon habe. Aber in dieser kurzen Zeit brauche ich diese
Momente als Ventil.
Andy - Man muss ja in dieser Zeit
auf einiges verzichten können. Was hat Dir am meisten zu schaffen
gemacht?
Sigi - Ich denke das schwierigste
war für mich das soziale Umfeld, da man einfach sehr viel von
zu Hause weg ist. Die ganze Ausbildung findet in Sion oder Locarno
statt. Zu Hause ist man nur am Wochenende. Dies ist zum Beispiel
für eine Beziehung schwierig, da sich alles auf das Wochenende
reduziert. Auch für mich selbst oder für den Freundeskreis
hatte ich nur am Wochenende Zeit und zwei Tage sind dann sehr wenig
für all diese Dinge. Diese Situation war für mich der
grösste Abstrich, den ich machen musste. Es brauchte dann einfach
eine gute Organisation. Am einen Wochenende erledige ich dies am
nächsten etwas anderes. Spontan etwas abzumachen ging einfach
nicht. Zudem betrieb ich früher viel Sport, u.a. spielte ich
mal Unihockey. Während der Ausbildung reduzierten sich auch
die Trainings beim Unihockey. Aus diesem Grunde konnte ich wiederum
keine Turniere spielen und das war doch etwas wichtiges in meinem
Leben. Alle diese sozialen Abstriche waren dann die Kehrseite der
Medallie. Heute im UeG ist es zwar nicht mehr so schlimm wie damals,
trotzdem muss man jedoch die Freizeit sehr gut organisieren. Es
gibt eigentlich selten ein Wochenende, an dem ich frei bin.
Andy - Was machst Du in Deiner Freizeit
wenn Du mal nicht fliegst? Hast Du Hobbys?
Sigi - Ich betreibe viel Sport,
genau gesagt sind es Einzelsportarten. Im Sommer sind dies zum Beispiel
Joggen oder Velofahren, im Winter sind es das Ski- oder Snowbordfahren,
meist zu zweit oder zu dritt. Auch Training im Kraftraum oder allgemein
Bewegung gehören zu meiner Freizeitbeschäftigung. Das
sind Dinge die mir gefallen und die mir auch wieder Energie geben.
Ansonsten probiere ich gerne guten Wein und koche etwas dazu. Auch
die Astronomie interessiert mich. Einweinig die Sterne anschauen
oder ein Buch darüber lesen. Einfach etwas anderes, das mit
der Fliegerei nichts zu tun hat um einen Ausgleich zu schaffen.
Privat zu fliegen ist daher kein Thema für mich. Nicht dass
dies nicht toll wäre oder gar Spass machen würde aber
es gibt mir keinen Ausgleich zum Beruf.
Andy - Wie empfinden die Familie
und die Freunde die Situation, dass Du Militärpilot bist? (Held,
Angst, Stolz…)
Sigi - Stolz sind meine Familie
und Freunde sicher, da sie auch den ganzen Weg mitverfolgt haben.
Vor allem meine engeren Kollegen, da sie eigentlich von Anfang an
mit mir mitgelaufen sind und sich mit mir über meine erreichten
Schritte mitgefreut haben und auch Stolz waren, wenn sie zum Beispiel
etwas über mich in einer Zeitschrift gelesen haben oder gar
eine Reportage im Fernsehen sahen. Ich denke ein Held bin ich deswegen
nicht. Denn sie kennen mich alle als Sigi und nicht als PS Leader.
Und ich denke die Werte und Attribute die diese Freundschaften ausmachen
sind nicht basierend auf Militärpilot oder Patrouille Suisse
Leader, sondern sie basieren auf mir als Mensch – als Sigi.
Der Job ist dabei sekundär und meine Familie und Freunde stellen
mich deshalb nicht auf einen Sockel wie ein Held. Ich möchte
dies auch nicht. Lieber mag ich es, wenn sie mich als Sigi wahrnehmen
mit meinen Stärken und Schwächen, die ich auch im Alltag
habe. Der Beruf ist „nur“ ein Teil meines Lebens, und
wenn sich meine Umgebung mit mir freut oder auch ein wenig stolz
ist, dann ist das auch richtig so aber es wäre falsch, wenn
der Beruf das einzige Attribut wäre und man nur sagen würde:
Das ist ein super Typ weil er PS Pilot ist. Ich denke die richtigen
Freunde brauchen das nicht, die kennen mich auch sonst. Und bei
der Familie, da war am Anfang neben dem Stolz schon ein wenig Angst
dabei. Es war etwas das sie nicht kannten, da sonst niemand in der
Familie fliegt. Ich bin in der Familie der Erste der so eine Aufgabe
zum Beruf hat, daher ist halt vieles für sie neu und auch unfassbar.
Sie besuchten mich zum Beispiel mal an einem Besuchstag und sahen,
wie Ihr Sohn in einen Jet einsteigt und davon fliegt. Das war für
die Familie sicher eine neue und spezielle Situation, neben dem
Stolz den sie hatten. Mit der Zeit wurde das alles normal und ich
ging für sie halt einfach fliegen, sowie mein Bruder zum Beispiel
in einem Pflegeheim seine wichtigen Aufgaben erledigt oder meine
Schwester im Spital arbeitet. Heute ist die Fliegerei für die
Familie eigentlich normal geworden.
Andy - Wie begegnest Du militärfeindlichen
Personen? In den USA sind die Jet Piloten ja Helden, in Europa ist
dies jedoch ja nicht immer der Fall.
Sigi - Am Anfang hat mich das sehr
gestört, wenn jemand kam und negativ auf mein Beruf reagierte.
Ich habe dies damals eigentlich als persönlichen Angriff empfunden,
da ich diese negative Auffassung der entsprechenden Personen über
das Militär oder die Luftwaffe immer auch mit mir selbst verkörperte.
Heute kann ich negative Meinungen über die LW von mir trennen.
Ich gehe nun auf die Menschen zu und suche das Gespräch um
auch über diese Dinge zu diskutieren und argumentieren. Wenn
halt heutzutage jemand gegen die Arme oder LW ist dann hat er als
Schweizer Bürger das Recht dazu. Aber solange die Bevölkerung
und die Politik dies so will, müssen wir in der LW das Training
sicherstellen und das tun wir auch. Aber das sind wirklich rationale
Argumente und ich als Mensch distanziere mich von der Kritik und
versuche persönliche Angriffe zu trennen. Das eine ist der
Job, darüber kann man diskutieren und auch verschiedener Meinung
sein. Das andere bin ich als Mensch und ich bin nicht nur eine Person
im Militär sondern eben auch ein Mensch. Damit konnte ich bis
heute gute Gespräche führen, auch mit Leuten die zum Beispiel
gegen die PS sind. Ich lernte zum Beispiel auch schon Leute kennen,
die eigentlich gegen das Militär oder Luftwaffeneinsätze
sind, trotzdem aber eine gewisse Faszination hatten, wenn zum Beispiel
die PS einen Einsatz hat. Man merkt dies an kleinen Äusserungen
in Gesprächen, wenn jemand zum Beispiel fragt, ob ich mal beim
Vorbeiflug winken könne aber trotzdem nicht zu tief fliegen
soll. Das sind für mich auch immer kleine Erfolge, wenn Leute,
die eigentlich Gegner sind trotzdem aber eine positive Andeutung
machen.
Andy - Wie war das am Anfang in
der PS – wie bist Du dazu gekommen – wusstest Du damals
schon, dass Du gerne Leader sein möchtest?
Sigi - Bei der PS ist es so, dass
das Team wählt, wer neu dazu kommt. Letztes Jahr zum Beispiel,
als Stampa und Jamie aufgehört haben, kam das Team zusammen
und hat neue Piloten gewählt. Bei dieser Wahl ist jeder im
Team gleichberechtigt und wir gehen davon aus, dass jeder gerne
zur PS möchte. Anschliessend wird der entsprechende Pilot gefragt
, ob er gerne dazu kommen möchte oder nicht. Für mich
war das früher schon immer ein Traum, zur PS zu gehören.
Aber es ist etwas, das man nicht rumspricht, sondern eigentlich
eher für sich behält, als stiller Traum. Beeinflussen
kann man die Wahl jedenfalls nicht. Es hat zu diesem Zeitpunkt einfach
gerade alles gepasst. Vielleicht wäre ich ein paar Jahre zuvor
oder später nicht gewählt worden. Aber bei mir war zu
diesem Zeitpunkt ein Platz in der PS frei und das Alter, die Erfahrung
usw. stimmten. Am Anfang dann in der PS spielt es keine Rolle, welche
Position man fliegt, denn es ist alles neu und faszinierend. Das
mit dem Leader ist eher eine Alterserscheinung. Eines Tages stellt
sich einfach die Frage, ob man noch Leader macht oder aufhört
in der PS zu fliegen. Ich hatte einfach auch durch etwas Glück
die Chance, aufgrund der PS - Konstellation die Funktion des Leaders
zu übernehmen. Gleichzeitig brachte ich das nötige Alter
und die nötigen Erfahrungen mit, um diese Funktion zu übernehmen.
Andy - Als Du erfahren hast, dass
Du der neue Chef in der Luft bist, wie hast Du reagiert?
Sigi - Ich wusste eigentlich, dass
dies einmal so kommen würde. Stampa sagte als er noch Leader
war, dass er noch zwei bis drei Jahre Leader sein wird. Für
mich war damals klar, dass wenn Stampa aufhört, dass ich der
älteste im Team sein werde. Intern im Team wussten wir damals
alle schon, dass dies ungefähr so kommen wird. Es war also
eigentlich nicht so, dass die Überraschung eines morgens die
Nachricht sein wird, dass ich Leader werde. Da ich dies eigentlich
schon vorher wusste, freute ich mich auch schon auf diese Aufgabe
und sprach viel mit Stampa und fragte Ihn wie er das eine oder andere
mache. Ich bekam dann viele Tips und Tricks und in diesem Moment,
als dann so zu sagen die Übergabe der Leaderfunktion war, da
hiess es einfach: „Jetzt bisch en!“ Das war dann ein
Moment mit viel Freude aber ich spürte auch sehr viel Erwartungshaltung,
die ich auch an mich selber stellte. Ich fragte mich, wie ich die
Piloten genau führen soll oder wie ich mich am besten in diese
Funktion als Leader einbringen soll. Da ist eigentlich niemand,
der einem das zeigt. Man sitzt da in dem Flieger, schaut nach links
und rechts und da sitzen zwei, die warten bis ich mit dem Kopf nicke
und Gas gebe. Das war schon eine spezielle Situation, einerseits
das Vertrauen- und auf der anderen Seite aber auch die Verantwortung
zu spüren, die das Vertrauen mit sich bringt. Man fühlt
sich würdig, das Vertrauen zu geniessen und muss aber auch
alles daran setzen, würdig zu bleiben. Das war anfangs schon
etwas ungewohnt. Natürlich macht man kleine Fehler und lernt
daraus. Oder ich habe nochmals Stampa angerufen und das eine oder
andere nachgefragt. Aber im Endeffekt muss alles stimmen, da man
überhaupt keinen Spielraum hat, um auszuprobieren. Die Jets
sind so eng beieinander, da muss einfach alles stimmen. Die Freude
war aber natürlich auch dabei. Als Beispiel das erste mal im
Ausland – alles gut gegangen und alle wieder zu Hause. Jeder
Schritt den man schafft ist gleichzeitig auch ein Erfolgserlebnis
das einem bestätigt, dass man auf dem richtigen Weg ist.
Andy - Als neuer Leader ist die
Verantwortung über die Bambinis ja gross. Was ist nun überwiegend
– die Freude oder die Verantwortung?
Sigi - Ich glaube weder noch. Es
ist gar nicht das Zentrale bei dieser Aufgabe als Leader. Am Anfang
waren diese Gefühle schon ausgeprägter aber mittlerweile
ist der Ablauf um einen Einsatz der PS normal. Ich stelle an mich
die Anforderung, meine Aufgabe gut zu machen und erwarte das gleiche
vom Team. Gleichzeitig versuche ich auch dem Team das zu geben,
was es dafür braucht.
Andy - Wie nehmen Dich Deine Kollegen
auf? Gibt es unter Euch Neid?
Sigi - Das kann es vielleicht schon
geben aber im Moment ist dies nicht der Fall. Zur Zeit bin ich Leader
und als nächster würde eigentlich Mäsu an der Reihe
sein. Aber er sagte mir als ich Leader wurde, dass er noch ein Jahr
als Solist fliegen würde und das wiederum half mir für
meine Aufgabe. Denn er war der einzige der zum Beispiel sagen konnte,
dass Stampa dieses oder jenes so gemacht hat oder dass zum Beispiel
eine Walze auf diese oder jene Art gut ist und für das Team
so besser zum nachfliegen wäre. Daher brauchte ich Ihn so zu
sagen auch als Referenz oder Vertrauensperson. Ich glaube nicht,
dass er neidisch gewesen ist und sich dachte, dass er das auch brauche.
Vielleicht hätte er die Leaderfunktion auch gemacht, wenn er
die Chance gehabt hätte. Ich denke aber, dass er wegen mir
nicht für diese Funktion zurücktreten musste, sondern
er hat mich eigentlich mehr unterstützt. Das ist einfach das
, was ich empfinde oder spüre von den anderen. Ob es vielleicht
einen Piloten im Team hat, der denkt, dass er auch gerne Leader
geworden wäre, das weiss ich nicht. Und wenn es so wäre,
dann ist es nicht so, dass dies ein Problem darstellen würde.
Das wäre eigentlich eher eine persönliche Präferenz
desjenigen.
Andy - Wie sieht ein Tag eines PS
Piloten aus. Was sind Deine Aufgaben neben der PS in der Luftwaffe?
Sigi - An einem normalen Tag, an
dem wir einen Flug mir der PS absolvieren muss ich zuerst mal den
Piloten sagen, wann sie wo sein müssen. Ich bin für das
Tagesprogramm zuständig und weis, wann wir wo fliegen. Dementsprechend
rechne ich die Zeit retour und organisiere die Abläufe. Meine
Aufgabe ist es vor dem Flug, das Administrative so aufzubereiten,
dass ich diese den Piloten beim Breaving weitergeben kann. Die administrative
Vorbereitung beinhaltet zum Beispiel die Karten vorzubereiten, die
Reglemente zu studieren, als Beispiel bei Auslandaufführungen.
Auch das Wetter muss vorbereitet werden und die Entscheidung ob
geflogen wird oder nicht muss ich ebenfalls treffen. Wenn geflogen
wird, welches Programm kommt zum Einsatz – Schönwetterprogramm
oder nicht. In Buochs muss das Programm angepasst werden, also muss
ich bereits im Vorfeld die Änderungen zusammenstellen. Sobald
dann das Briefing anfängt sind die Vorgänge Standart,
dann präsentiere ich die Fakten und alle vorbereiteten Angaben.
Dann wird geflogen. Nach dem Flug folgt das Debriefing, bei dem
ich auch das Lead habe. Jedoch beim Debriefing kann sich jeder mit
einbringen und sagen, was gut oder nicht gut war. Wir besprechen
dann diese Überlegungen. Manchmal sitzen auch die Solisten
zusammen und besprechen die Soloeinlagen. Die „Fäden“
behalte jedoch immer ich in der Hand und leite das Debriefing. Es
gibt auch Einsätze, bei denen wir am Abend noch präsent
sind, zum Beispiel im Ausland. Dann muss ich ebenfalls das Timing
oder als Beispiel das Tenue bestimmen. Es ist aber nicht so, dass
ich immer alles alleine machen muss. Ich kann auch Dinge delegieren
und sagen, dass das Wetter zum Beispiel vom einen Piloten in das
Briefing eingebracht wird. Man könnte sagen, dass ich als Leader
fast eine Art Managerfunktion habe, damit am Schluss alles Nötige
für den Flug vorhanden ist. Der Flug ist immer das primäre
Zentrum.
Andy - Wann bist Du nervöser:
Bei einem Training, in dem Ihr etwas neues macht oder vor einer
Airshow mit tausenden von Zuschauern? Oder besser gesagt bist Du
überhaupt nervös, wenn Du in einem Jet fliegst?
Sigi - Eigentlich bin ich fast nicht
nervös. Ich denke am extremsten war für mich die erste
Vorführung, als Stampa am Boden zusah. Weil ich wusste, dass
er alles sieht. Er weiss genau wo ich was mache und er sieht jeden
kleinen Fehler, den ich mache. Ich wollte Ihm zeigen, dass ich es
auch kann und das war eine spezielle Situation. Aber sonst muss
ich bei jedem Flug eine Topleistung bringen, egal ob es eine Person
am Boden hat oder 250'000 Zuschauer. Denn ich kann mir nie einen
„Verschnitzer“ erlauben. Denn die Safety muss trotzdem
immer gewährleistet sein, und das Programm muss immer so perfekt
und präzis wie möglich geflogen werden.
Andy - Oftmals defiliert Ihr mit
Euren wunderschönen Tiger F-5E vor und / oder nach dem Display
bei den Fans und den Zuschauern vorbei. Mal ganz ehrlich, ist der
Jubel und die Begeisterung der Fans für Euch nachvollziehbar?
Spürt Ihr diese Begeisterung auch?
Sigi - Wenn wir in Lachen sind merken
wir leider kaum etwas, da wir keinen Kontakt zu den Fans haben.
Nur Dani Hösli informiert uns über Funk, dass die Zuschauer
klatschen oder er sagt: „Super gsi Jungs… isch guet
gsi“. Wenn wir aber an den Zuschauern vorbeirollen können,
dann sieht man die Leute – sie winken, springen und winken
mit Hüten oder Fahnen. Und dann sieht und spürt man die
Energie und die Begeisterung der Fans. Sie winken, lachen und wir
können dann auch zurückwinken. In diesem Moment findet
der Kontakt statt. Das ist für uns wie wenn ein Orchester nach
der Aufführung den Applaus bekommt. Dies ist dann auch der
Lohn für uns, für das was wir vorgeführt haben.
Andy - Als PS Piloten und speziell
Du als Leader stehst in einem Mittelpunkt der Luftwaffe –
man kennt Dich auch über die Tore der Luftwaffe hinaus. Ist
das eine Belastung für Dich?
Sigi - Ich denke, wir sind anonyme
Stars. Wenn wir in der Luft sind, dann sehen uns die Leute und freuen
sich oder sind begeistert über das was wir machen. Wenn wir
dann hinterher das Fliegerkombi ausziehen und ich in den Jeans im
Publikum stehe, dann kennt mich niemand oder fast niemand ;-) Und
von dem her ist es eigentlich keine Belastung. Wenn ich im Kombi
auftrete, dann repräsentiere ich und es gehört zum Job.
Sobald das Kombi ausgezogen ist, repräsentiere ich nicht mehr
und dann ist auch nichts mehr da, das Druck oder Belastung gibt.
Verglichen mit einem Schauspieler, der seine Leistung durch seine
Person bringt, so bringen wir die Leistung durch unsere Flieger.
Und sobald der Flieger und das Kombi weg sind, ist diese Repräsentationsaufgabe
ebenfalls weg. Zudem sind wir nicht einzelne Stars sondern das PS
Team ist das Zentrum und wir wollen das Team repräsentieren.
Man sagt auch nicht, dass zum Beispiel der Mäsu oder der Sigi
super sind, sondern es ist die PS, die ein tolles Programm fliegt.
Andy - Du hast Jahrgang 1971 und
bist somit im September 32 geworden. Damit bist Du der älteste
in der PS (abgesehen von Dani) gefolgt von Mäsu. Auch in Bezug
auf die Flugstunden bist Du an der Spitze mit über 2'400 Flugstunden.
Wäre somit Mäsu eventuell mal Dein Nachfolger als PS Leader
geworden?
Sigi - Leader wird der, der am meisten
Erfahrung hat und nicht primär der Älteste. Mäsu
ist eigentlich der Nächste nach mir und er wäre ein potentieller
Nachfloger von mir. Aber Mäsu hört leider in der PS auf,
nach seiner Solo Position, die Ihn sehr erfüllt hat.
Andy - Wenn die Tiger ausgemustert
werden, wird gleichzeitig auch die Zukunft der PS in Frage gestellt
– leider! Was denkst Du persönlich, wie es dann weiter
geht?
Sigi - Also es ist nicht so, dass
die PS nur mit Fliegern fliegt, die noch nicht in anderen Staffeln
vorhanden sind. Das wäre kein Kriterium in Bezug auf die F/A
– 18, mit denen die Blue Angels bereits fliegen. Was eher
ein Kriterium ist, ist der Flottenbestand – wie viele Flieger
hat die Luftwaffe. Und haben wir genug, damit wir ein paar der PS
zuschreiben können. Und wenn man dies so rechnet mit der F/A
– 18, dann haben wir eigentlich zu wenig, um die PS mit der
Hornet fliegen zu lassen. Aber was zum gegebenen Zeitpunkt entschieden
wird, ob es nur noch ein Team gibt und mit welchen Flugzeugen, oder
ob man gar ein paar Tiger länger behält… Ich habe
ehrlich keine Ahnung. Im Endeffekt ist das ein politischer Entscheid.
Und ich habe diesbezüglich noch nichts gehört, es wäre
reine Spekulation.
Andy - Die Luftwaffe hat es heutzutage
ja schlussendlich genauso schwer wie die Zivilluftfahrt, nur vielleicht
auf eine etwas andere Art. Was denkst Du über die Zukunft der
Schweizer Luftfahrt im Allgemeinen?
Sigi - Ich habe das Gefühl,
dass es der Schweizer Luftfahrt helfen würde, wenn man eine
Vision hätte. Eine Vision, die uns sagt, wo wir hin wollen
- mit der Luftwaffe, mit der Patrouille Suisse und den zivilen Luftfahrtgesellschaften
wie die Swiss. Und diese Vision dann mal verankert und auch verfolgt.
Ich habe das Gefühl, wenn man das kommunizieren würde,
wären auch sehr viele Gerüchte nicht vorhanden und es
würde auch das Verständnis fördern. Ich denke es
ist einfacher, wenn man weiss, dass jemand wo hin will mit einem
bestimmten Ziel. Dann kann diese Entscheidung auch besser verstanden
werden, weil man weiss – „aha, der hat ja dieses Ziel“.
Ob man dann einverstanden ist oder nicht ist ein weiteres Kapitel,
aber es würden sicher weniger Gerüchte und Unwahrheiten
entstehen. Es wäre einfach mal eine klare Linie vorhanden,
die helfen kann.
Andy - Wenn Du in Deiner Zeit nochmals
zurück könntest, was wenn überhaupt würdest
Du anders machen? (Speziell in Bezug auf das Fliegen…)
Sigi - Nichts. Ich würde alles wieder so machen. :-)
Andy - Was war bisher Dein schönstes
Erlebnis in der Luft?
Sigi - Ich denke dass ich jemand bin, der sehr stark den Moment
geniesst und in dem Sinne gibt es tausende schönster Momente.
Es ist nicht so, dass ich diese dann archivieren würde. Sondern
ich geniesse sie im Moment und mache dann Platz wieder für
neue schönste Momente.
Andy - Für mich und viele andere
der „Aviatik – Familie“ hast Du einen, der höchsten
„Gipfel“ in einer Fliegerkarriere erreicht. Was gibst
Du dem jungen Nachwuchs oder gar jungen Leuten mit demselben Traum
wie Du Ihn damals hattest auf den Weg mit?
Sigi - Ich denke es ist wichtig,
dass wenn man ein Ziel oder einen Traum hat, dass man sich dies
dann auch vornimmt und macht. Mir hat mal ein alter Pilot einen
Brief geschrieben, als ich ein einer Phase war, in der es für
mich etwas knapp in der Ausbildung war. Es schrieb mir darin, dass
wenn ich es nicht probiere, ich auch nie wissen werde, ob ich es
geschafft hätte! Man muss etwas machen – den ersten Schritt
vorwärts machen. Jede Reise fängt mit dem ersten Schritt
an und dieser erste Schritt ist das wichtige an der Sache. Den muss
man einfach machen um den Traum zu verwirklichen. Danach gibt es
immer wieder ganz viele kleine erste Schritte, die man machen muss.
Und ich denke, das ist das Rezept um vorwärts zu kommen und
die Träume real werden zu lassen.
Andy - Vielen Dank, dass Du dir
die Zeit genommen hast! Swiss-Sky.ch und der PS Fanclub wünscht
Dir für Deine Zukunft und speziell auch für Deine verantwortungsvollen
Aufgaben stets viel Glück, Zufriedenheit und Erfolg!
Sigi - Auch ich möchte mich
bedanken für Euer Engagement. Wir sind froh, dass wir so eine
Plattform wie den Patrouille Suisse Fan Club und Swiss-Sky.ch haben
um auch uns mitzuteilen. Danke viel mal.
Andy Schweighauser für Swiss-Sky.ch
und den Patrouille Suisse Fan Club im Gespräch mit Capt Daniel
Siegenthaler „Sigi“ (Patrouille Suisse Leader –
Tiger Uno)
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